Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Warum bin ich dankbar Der heutige Blogartikel ist durch den vergangenen Muttertag inspiriert.

Ein bisschen wehmütig wurde mir das Erwachsenwerden meiner Kinder sehr bewusst. Früher wurde ich am Muttertag mit selbstgebastelten kleinen Geschenken überrascht. Selbstgesammelte Wildblumensträusschen, wunderschöne gemalte Bilder oder selbstgebackene Kekskreationen fanden liebevoll den Weg zu mir.

Und dieses Jahr begrüssten mich, aus einer farbigen Geschenkschachtel, Rotweingläser!  Vor genau 25 Jahren habe ich meine ersten Rotweingläser von meinem Mann auf unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest geschenkt bekommen. Und jetzt das 🙂

Meine Kinder waren in letzter Zeit sehr aufmerksam, es ist ihnen nicht entgangen, dass ich ab und zu mal über nicht mehr so schöne Rotweingläser im Gläserschrank geredet habe. Die Geschenke haben sich verändert. Sie sind nun längerfristig haltbar und können zu verschiedenen Gelegenheiten genutzt werden. Rotweingläser – sehr praktisch und eine wundervolle Form – und ich kann mich darin spiegeln. Herzlichen Dank.

Und doch ist da diese kleine Wehmut – die Kinder sind keine Kinder mehr, es sind junge Erwachsene geworden.

Vor 20 Jahren haben wir die Verantwortung übernommen:

  • ihnen gute Begleiter zu sein,
  • da zu sein, wenn sie uns brauchen,
  • zuzuhören, wenn sie erzählen wollen,
  • zu kuscheln, wenn sie Nähe benötigen,
  • sie zu pflegen, wenn sie krank sind,
  • ruhig zu sein, wenn sie ihre eigenen Fehler machen müssen,

einfach da zu sein.

Dies ist zwar immer noch so, und doch: etwas hat sich geändert.

Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Denn da ist plötzlich dieser Moment – Rotweingläser – in welchem man spürt, die Kleinen sind gross geworden, selbstständig und selbstbewusst. Sie wissen genau, wohin ihr Weg führen wird. Und dann kommt dieses überschäumende Gefühl auf:

Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Wir sind ein Fels in der Brandung.

Sie wünschen sich

  • ihre eigenen Erfahrungen machen zu dürfen,
  • viele spannende Wege gehen zu können – nun ohne uns,
  • mit Auslandaufenthalten, Studienrichtungen und Ausbildungen zu experimentieren,
  • die erste Liebe zu geniessen,
  • Feste feiern zu können ohne Zeitbegrenzung,
  • stolz von ihren ersten selbst bezahlten Ferien mit Freunden zu berichten.

Warum bin ich ein Fels in der Brandung 2Wir wissen nicht mehr über jeden Schritt Bescheid. Und doch erfreut es das Herz, wenn kurz eine WhatsApp Nachricht kommt: „Hey Mum, mir geht es gut. Ich bleibe über Nacht. Bis Morgen. Kuss.“

Und dann bekommt die Wehmut einen Glücksschub – wir sind die Anker in den Gedanken und Gefühlen unserer Kinder.

Wir sind die ersten (ok – meistens), die über Entscheidungen informiert werden, denen Neuigkeiten erzählt werden, deren Nähe man sucht, wenn es gerade nicht rund läuft, deren Hinweise gefragt sind, weil wir halt doch die tollsten Eltern sind. Natürlich sind wir auch die, die nerven können, denn schliesslich sind wir ja schwierig und nicht sie.

Doch die älter gewordenen Kinder spüren, dass wir uns sehr freuen, dass sie ihr Leben verantwortungsvoll selbst übernommen haben. Wir freuen uns über ihre Erfolgserlebnisse, über ihr Glücklichsein, ihre Partnerschaften und dass sie ihr Leben so leben, wie sie möchten.

Doch wir sind und bleiben Mami und Papi und wir lieben es, helfen und unterstützen zu können.  So denke ich, dürfen wir auch ein bisschen Wehmut spüren. Für mich bedeutet dies auch, dass wir jeden Augenblick unserer Jungmannschaft sehr genossen und geliebt haben.

Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Weil wir jedoch auch genau spüren, dass Sie ihren Weg nun alleine gehen können, erlauben wir uns Eltern nun wieder mehr Zeit für einander zu nehmen. Und in diesem Fall ist dann auf die jungen Erwachsenen voll Verlass. Sie schauen zu den Tieren, zu den Pflanzen, machen den Haushalt und achten aufeinander. Wir wissen, es ist für alles gesorgt, wir brauchen uns um das Daheim keine Sorgen zu machen.

Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Wenn es so läuft, hat man alles richtig gemacht. Das Vertrauen zueinander wird in den Kindheitsjahren aufgebaut und Dankbarkeit ist ein wichtiger Schlüssel dazu. Damit werden Erwartungen klein gehalten und ein freudiges Miteinander liebevoll gepflegt.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese starken Gefühle ebenso in Ihrem Leben willkommen heissen dürfen. Sind Ihre Kleinen noch klein, geniessen Sie jeden Augenblick, denn ich kann Ihnen sagen, sie werden sehr schnell gross und erwachsen. Ja und dann werden Sie vielleicht auch wundervolle Rotweingläser geschenkt bekommen, welche Sie in gemütlicher Runde gleich zum Anstossen benutzen werden.

Alles hat seine Zeit und seine Bedeutung.

Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

Kennen Sie dieses Gefühl, ein Fels in der Brandung zu sein?

12 Antworten zu Warum bin ich ein Fels in der Brandung?

  1. Gabriele Valerius-Szöke 14. Mai 2015 um 20:22 #

    Liebe Patricia,
    ´
    ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst, denn ich finde, du hast es großartig beschrieben.

    Ich selbst habe ja keine Kinder, aber mein Mann und ich geben uns gegenseitig den Halt und somit fühlt sich jeder einmal wie ein Feld in der Brandung, nur auf ganz andere Weise.

    Herzlichst
    Gabi

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:27 #

      Liebe Gabi
      Wie schön – ja natürlich – gegenseitig Halt geben in der Partnerschaft.
      „Ein Fels in der Brandung“ in der Partnerschaft zu sein, finde ich wunderschön. Es stärkt und festigt die Beziehung.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

  2. Barbara J. Schoenfeld 15. Mai 2015 um 11:54 #

    Liebe Patricia,

    das ist ein tolle Gefühl, der Fels in der Brandung zu sein für deine Kinder.

    Inzwischen sind meine Kinder schon groß und ich weiß ganz genau, wenn es irgendwo brennt, dann rufen sie mich an und ich bin auch so etwas wie ihr Fels in der Brandung. Das tut gut zu wissen.

    Herzliche Grüße
    Barbara

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:17 #

      Liebe Barbara
      Genau dies ist das Gefühl – Ich bin für dich da – gegenseitig.
      Es ist einfach schön und man kann sich darauf verlassen.
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

  3. Christine 15. Mai 2015 um 18:09 #

    Liebe Patricia, es tut einfach gut, dieses Gefühl des „gebraucht werdens“. Einfach zu wissen, dass sie sich melden – nicht nur, wenn sie mich brauchen, sondern auch um einfach Hallo zu sagen.

    Fels in der Brandung ist ein guter Vergleich. Manchmal hilft es auch, ein Leuchtturm zu sein, die lieben „Kinder“ auf mögliche Untiefen des Lebens hinzuweisen und ihnen Umschiffungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

    Welche Route sie letztlich einschlagen, ist und bleibt ohnehin ihre eigene Entscheidung.

    Liebe Grüße
    Christine

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:38 #

      Liebe Christine
      Was für ein schöner Gedanke mit dem Leuchtturm.
      Ein Leuchtturm welcher den Weg weist, man kann da ausruhen oder rechts oder links vorbei. Genau so soll es sein 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

  4. Sybille Johann 16. Mai 2015 um 9:10 #

    Liebe Patricia,
    ich habe es immer genossen, wenn meine beiden wieder mal ein Stück unabhängiger geworden sind. Und jetzt sind sie so groß, dass sie immer mehr zu Partner werden. Sie unterstützen mich, nehmen mir Dinge ab und wir können auf einer ganz anderen Ebene miteinander reden. Auch sie unterstützen mich, wenn ich Probleme habe und sind mir da manchmal die besten Ratgeber. Ich bin unheimlich stolz auf sie und es bestätigt mir, dass unser Weg der richtige war und wir 3 Felsen in unserer kleinen Brandungsnische sind!
    LG
    Sybille

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:22 #

      Liebe Sybille
      „Brandungsnische“ – wie wundervoll.
      Ja dieses gegenseitige Unterstützen ist ein wunderschönes Gefühl und so ist das Loslassen viel einfacher anzunehmen.
      Herzlichen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

  5. Stefanie Marquetant 16. Mai 2015 um 11:07 #

    Liebe Patricia,
    schön, wie du den respekt- und liebevollen Umgang in deiner Familie ausmalst. Das ist direkt spürbar!
    Ich kenne das Gefühl eher als »in meiner Mitte sein« auch wenn das Chaos rund um mich tobt. War in der Vergangenheit nicht immer leicht, wird aber immer leichter 😉
    Ich wünsche dir viele fröhliche Abende mit deinen Lieben und dass die neuen Rotweingläser oft zum Einsatz kommen…
    Alles Liebe,
    Stefanie

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:31 #

      Liebe Stefanie
      Dies ist ein sehr guter Vergleich „in meiner Mitte sein“, denn als Fels in der Brandung geht es oft einfach darum, wieder eine Balance herzustellen.
      Ja und wer hat es nur leicht – da schliesse ich mich dir an 😉
      Die Rotweingläser sind schon sehr im Einsatz und machen sich strahlend prächtig 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

  6. Frank 16. Mai 2015 um 22:03 #

    Liebe Patricia,
    es ist doch immer wieder schön, wenn wir für unsere Kinder der Fels in der Brandung sein dürfen, wenn Sie mit Ihren Freuden, aber auch mit Ihren Problemen zu uns kommen.
    Ist es nicht eine wundervolle Anerkennung der Kinder, wenn Sie uns als den Fels nehmen?
    Danke für den Beitrag.
    HG
    Frank

    • Patricia 26. Mai 2015 um 14:19 #

      Lieber Frank
      Diese wundervolle Anerkennung ist die Frucht der Samen, die man in der Kindheit und Jugendjahren gesät hat. Es ist einfach schön und wertschätzend 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Herzlichst
      Patricia

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